Resilienz. Das psychische Immunsystem
- MW Resilienzberatung
- 6. März
- 3 Min. Lesezeit
Wir alle kennen diese Phasen im Leben: Die To Do's im Job wachsen uns über den Kopf, privat sind wir ebenfalls an allen Fronten gefordert und als ob das nicht schon genug wäre, setzt es von irgendwo prompt noch eins oben drauf. Man hat das Gefühl im Hamsterrad festzustecken, sich abzurackern bis einem die Luft ausgeht und doch nicht voranzukommen. Während manche Menschen von diesen Belastungen erdrückt werden, scheinen andere wie Stehaufmännchen immer wieder in ihre Mitte zurückzufinden und scheinbar gelassen durchs Leben zu kommen. Diese Fähigkeit nennen wir Resilienz.

Der Begriff Resilienz stammt ursprünglich aus der Werkstoffkunde und beschreibt die Fähigkeit eines Materials, nach belastenden Einwirkungen wieder in seine ursprüngliche Form zurückzukehren. In der Psychologie meint man mit Resilienz die Fähigkeit, Krisen nicht nur zu überstehen, sondern sie ohne langfristige psychische Beeinträchtigung zu meistern und sogar gestärkt daraus hervorzugehen. Man kann es auch als psychische Widerstandskraft oder als Immunsystem der Seele bezeichnen. Resiliente Menschen sind nicht unverwundbar. Auch sie spüren Schmerz, Angst und Stress wie jeder andere auch. Aber sie verfügen über Strategien und Kompetenzen, um mit diesen Herausforderungen konstruktiv umzugehen. Diese Kompetenzen werden als Schutzfaktoren bezeichnet und beschreiben in ihrer Summe unsere Resilienz. Zu diesen Faktoren zählen Zukunftsorientierung und Optimismus, Achtsamkeit und Kreativität, Akzeptanz und Netzwerkorientierung, sowie Selbstverantwortung und Lösungsorientierung.
1. Zukunftsorientierung und Optimismus
Diese beiden Faktoren beschreiben unsere Ausrichtung. Wer seine Ziele und Werte kennt und sein Denken und Tun danach ausrichtet, lebt ein erfüllteres und zufriedeneres Leben. Der Optimismus oder ein grundsätzliches Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten stärkt unsere tiefe Überzeugung, die Dinge zum Besseren zu wenden.
2. Achtsamkeit und Kreativität
Diese beiden Faktoren beschreiben unsere Balance. Wer eine gute Selbstwahrnehmung besitzt, ist in der Lage, Stress frühzeitig zu erkennen und rechtzeitig gegenzusteuern. Sowohl Achtsamkeit als auch Kreativität sind wesentliche Grundlagen für Selbstregulation, Selbstfürsorge und innere Stabilität.
3. Akzeptanz und Netzwerkorientierung
Diese beiden Faktoren beschreiben unsere Verbundenheit. Einerseits mit uns selbst und andererseits mit unserem sozialen Umfeld. Nicht alles im Leben lässt sich kontrollieren oder verändern. Wer seine Grenzen und seinen Handlungsspielraum kennt, kann seine Energie auf das richten, was sich auch tatsächlich beeinflussen lässt oder Mitmenschen um Unterstützung bitten, wenn man alleine nicht mehr weiterkommt.
4. Selbstverantwortung und Lösungsorientierung
Diese beiden Faktoren beschreiben die Fähigkeit zur Handlung. Wer überzeugt ist, sein Leben aktiv mitgestalten zu können und sich als selbstwirksam erlebt, wird immer wieder aktiv nach Lösungen suchen anstatt sich auf das Problem zu konzentrieren. Menschen mit hoher Selbstverantwortung und Lösungsorientierung fragen weniger:"Warum passiert mir das?", sondern eher:"Was kann ich konkret tun, um die Situation zu verbessern?"
Die gute Nachricht ist: Diese Schlüsselkompetenzen lassen sich trainieren. Ähnlich wie ein Muskel kann auch Resilienz durch regelmässige Übung, durch Erfahrung und in der Interaktion mit anderen Menschen, also dem sozialen Umfeld, trainiert und gestärkt werden. Kinder, die in einem stabilen Umfeld aufwachsen, verlässliche Bezugspersonen erleben und immer wieder Gelegenheit haben, Probleme konstruktiv zu bewältigen und zu lösen, entwickeln bereits früh wichtige Resilienzfähigkeiten. Doch auch später im Leben können wir unsere Resilienz gezielt fördern. Es ist ohnehin ein lebenslanger Lernprozess. Und er beginnt jetzt, mit vielen kleinen aber wichtigen Entscheidungen in unserem Alltag.
Aber auch, indem wir uns regelmässig Zeit für Erholung gönnen, wohltuende Routinen etablieren, unseren Fokus bewusst auf die positiven Dinge des Lebens richten und unsere sozialen Beziehungen innerhalb der Familie und im Freundeskreis aktiv pflegen. Denn all das stärkt die mentale Gesundheit und verbessert das Wohlbefinden.
3 Sofort-Tipps für mehr Widerstandskraft im Alltag
Regelmässige Check-ins
Frage dich regelmässig, wie es dir gerade geht. Was nimmst du in deinem Körper wahr? Welche Gefühle sind da? Was geht dir durch den Kopf? Und was würde dir jetzt guttun? Diese Übung stärkt unsere Achtsamkeit und sorgt dafür, dass wir in unserem emotionalen Gleichgewicht bleiben.
Fokus aufs Positive
Nimm dir jeden Abend einen Moment Zeit, um aufzuschreiben, was dir heute besonders gut getan, was dir Freude bereitet hat und wofür du dankbar bist. Drei positive Dinge reichen bereits, um deinen Optimismus-Muskel nachhaltig zu trainieren.
Atmung als SOS-Hilfe
Unser Atem ist ein wichtiger Anker, den wir gezielt nutzen können, um unser Nervensystem direkt zu beeinflussen. Wenn wir unsere Atmung beschleunigen, aktivieren wir das Nervensystem. Wenn wir die Atmung verlangsamen, sorgen wir für Beruhigung. Eine besonders wirksame Atemtechnik ist die 4-7-8-Methode (4 Sekunden einatmen, 7 Sekunden halten, 8 Sekunden ausatmen), die auch gerne als SOS-Hilfe zur Selbstregulation eingesetzt wird.
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